Elterngeld bei Selbstständigkeit – Erfahrungen

Elterngeld als Selbstständiger Fragen und ErfahrungenMein konkreter Erfahrungsbericht bezieht sich auf die Beantragung von Elterngeld über 2 Monate für mich als selbstständig tätiger Vater. Die Mutter des Kindes geht nach dem Bezug von 12 Monaten Elterngeld wieder arbeiten und ich möchte, wie viele Väter, meinen Sohn 2 Monate mit Unterstützung vom Staat zu Hause betreuen.

Folgende Fragen standen im Raum bzw. sind noch offen:


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Im Folgenden mein Bericht zur Beantragung und meine Interpretation des Bescheids. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar, spiegelt nur meine persönlichen Erfahrungen in Bezug auf Elterngeld im Fall eines Selbstständigen wider.

Bezugsdauer beim Elterngeld

Elterngeld kann mindestens 2 Monate und max. 12 Monate bezogen werden. Im konkreten Fall habe ich 2 Monate Elterngeld für den 13. und 14. Lebensmonat meines Sohnes beantragt.

Höhe des Elterngeldes bei Selbstständigkeit.

Laut Gesetz können 67 Prozent des Einkommens aus selbstständiger Arbeit nach § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 3 des Einkommensteuergesetzes als Elterngeld bezogen werden. Maximal zahlt die Elterngeldstelle 1.800 Euro / Monat.

Bei Einkommen unter 1.000 Euro gibt es prozentuale Aufschläge zu den 67% je nach Minderverdienst. Bei geringem Gewinn aus der Selbstständigkeit kann der Prozentsatz bis auf 100% ansteigen. Elterngeld wird mindestens in Höhe von 300 Euro gezahlt.

Bemessungsgrundlage ist der Gewinn.

Unter dem Einkommen als Bemessungsgrundlage ist das Nettoeinkommen unter Abzug der SV-Beiträge und der Lohnsteuer zu verstehen, so das Gesetz.

Bei Selbstständigkeit ist der im Einkommensteuerbescheid ausgewiesene Gewinn maßgebend und neben Geburtsurkunde an die Elterngeldstelle zu senden.

Welches Jahr ist maßgebend?

Als Bemessungsgrundlage wurde mir das Jahr vor der Geburt des Kindes genannt. Im Gesetz steht „letzter abgeschlossener steuerlicher Veranlagungszeitraum“.

Anrechnung von Einnahmen – kann ich hinzuverdienen?

Jeder Selbstständige kennt das. Wie auch die fortlaufenden Ausgaben für Betriebskosten lassen sich auch die Einnahmen nicht immer steuern. Es kann notwendig sein, dass Sie z.B. einen Auftrag unbedingt noch abarbeiten müssen und dadurch auch Umsatz und Einnahmen generiert werden. Wichtig zu wissen. Es ist erlaubt. Erzielen Sie mit ihrem Geschäft während des Bezugszeitraumes Einnahmen, werden diese angerechnet und mindern den Elterngeldbezug. Aus diesem Grund fordert die Elterngeldstelle eine Prognose zu Einnahmen und Ausgaben während des Bezugszeitraumes.

Ich erwarte durch meine dann arg reduzierte Zeit nur wenige Gewerbeeinnahmen. Da ich davon ausgehe, meine SV Beiträge im Elterngeldzeitraum selbst zahlen zu müssen, sind die Krankassenbeiträge zusammen mit anderen Nebenkosten in der geforderten Liste der Ausgaben enthalten.

Insgesamt prognostizierte ich negative Einkommen für die 2 Monate, sodass es beim Bescheid noch nicht zu einer Anrechnung kam.

Angeforderte Unterlagen

  • Geburtsurkunde Kind
  • Einkommensteuerbescheid Vorjahr
  • Erwartete Einnahmen während des Bezugszeitraums.
Fazit: Bei mir wurden nur wenige Unterlagen angefordert. Das Ausfüllen des Antrages hat mich vor keine größeren Probleme gestellt, fordert jedoch seine Zeit.

Bemerkungen zu meinem Bescheid

Der im Einkommensteuerbescheid ausgewiesene Gewinn wurde als Elterngeld-Brutto bezeichnet und auf den Monat heruntergerechnet. Davon sind Einkommensteuer und Soli (ggfs. Kirchsteuer) abgezogen.

In meinem Fall wurden die SV-Beiträge, die ich monatlich als freiwillig Versicherter an die AOK abführe nicht verrechnet. Das erscheint mir laut Definition im Elterngeldgesetz nicht logisch siehe BEEG – hier steht unter Abzug der SV-Abgaben für Einkommen aus nicht selbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit.

Von dem laut dieser Rechnung ausgewiesenen Nettogewinn sind 65% als mein vorläufiges Elterngeld für die 2 Monate ausgewiesen. Soweit kann ich das bis auf den fehlenden SV-Abzug nachvollziehen.

Elterngeld ist nur vorläufig.

Es kann zu Anpassungen und auch zu Nachzahlungen kommen. Nach meinem Bezugszeitraum muss ich meine Einnahmen aus der Selbstständigkeit für die 2 Monate nochmals konkret nachweisen. Kommt es zu einem positiven Einkommen aus meiner Gewerbetätigkeit, findet eine Verrechnung statt und ich muss zu viel erhaltenes Elterngeld nachzahlen.

Wer zahlt die Beiträge zur freiwilligen Krankenversicherung?

Das ist die große Frage, die bei mir zu einiger Verwirrung führte. Da ich erst im Dezember 2014 Elterngeld beziehen werde, kann ich erst dann konkrete Auskunft geben.

Der jetzige Stand:
Bei Pflichtversicherten ist die Sache klar. Die Versicherung wird beitragsfrei gestellt. Der Bezieher von Elterngeld zahlt keine Beiträge. Was ist jedoch die exakte Regelung für Selbstständige?

Sachbearbeiter 1 der AOK nach telefonischer Anfrage.

Wir stellen ihre Krankenversicherung im Elterngeldzeitraum nur beitragsfrei wenn Sie uns nachweisen, dass Sie in diesem Zeitraum keine Einnahmen aus der Gewerbetätigkeit erzielen. Das sollte am besten das Gewerbeamt bescheinigen z.B. durch eine Ruhendstellung des Gewerbes.

Aussage des Gewerbeamts auf Frage nach möglichem Ruhendstellen des Gewerbes.

Das ist definitiv nicht möglich. Sie können das Gewerbe jedoch abmelden und nach Elterngeldzeitraum neu anmelden.

Folge einer Gewerbeabmeldung

Das Gewerbeamt würde den Vorgang dem Finanzamt mitteilen. Dieses wiederum die Steuersignale schließen. Dadurch wäre es zwingend notwendig, eine Aufgabebilanz bzw. einen steuerlicher Abschluss zu erstellen. Auch die USt-IdNr. würde geschlossen.

Dieser Aufwand und damit verbundene Risiken betreffend die Weiterführung des Gewerbes rechtfertigen eine Abmeldung aus meiner Sicht nicht. Ich habe mich dagegen entschieden. Keine Gewerbeabmeldung im Elterngeldzeitraum!

Sachbearbeiter 2 der AOK nach telefonischer Anfrage.

Die Krankenversicherung kann im Fall des Elterngeldbezuges bei Selbstständigkeit freigestellt bzw. herabgesetzt werden. Dazu schicken wir ihnen automatisch einen Fragebogen, indem mögliche Auskünfte aufzuführen sind.


Fazit: Leider keine einheitliche Auffassung bei der Krankenkasse bzgl. der Zahlung meiner Krankenkassenbeiträge in den 2 Monaten Elternzeit.

Ab Dezember kann ich hier schreiben, ob die Beitragsfreistellung möglich war oder ich die KK selbst vom erhaltenen Elterngeld bezahlen muss.

Über Kommentare und Erfahrungen zu diesem Thema würde ich mich freuen.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    danke für deine guten Bericht, aber sage mal was ist denn mit den laufenden betriebskosten für Büro, Telefon usw?
    wie wurden die mit angerechnet? denn diese Kosten laufen ja auch in den 2 Monaten weiter.

    Gruß carsten

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